Innovative Modekonzepte für blinde Menschen

Ein Jahr lang haben blinde und sehbehinderte Menschen gemeinsam mit Nachwuchs-Designern neue Modekonzepte entwickelt. Diese werden nun in Paris vorgestellt.

Wie werden Kleidung und Mode ohne Sehsinn wahrgenommen? Welche Bedeutung haben Farben, Stoffe und Oberflächen? Wie definiert sich eine „blinde“ Ästhetik? Unter anderem mit diesen Fragen beschäftigte sich das Forschungs- und Ausstellungsprojekt „Beyond Seeing“. Ins Leben gerufen wurde es vom Goethe Institut Paris, fünf Mode- und Kunsthochschulen sowie Selbsthilfeorganisationen blinder und sehbehinderter Menschen in Deutschland, Frankreich, Schweden und Belgien.

Im Rahmen von internationalen Recherche-Workshops, einer Ausstellung und einem diskursiven Begleitprogramm zielte das Projekt darauf ab, Mode in einem Zusammenspiel von Sinneswahrnehmungen über den visuellen Reiz hinaus wahrnehmbar zu machen. Dabei wurden bislang nicht miteinander in Berührung gekommene Zielgruppen, nämlich Designstudierende, blinde und sehbehinderte Teilnehmer sowie Experten verschiedenster künstlerischer Disziplinen, zum ersten Mal zusammengebracht, um gemeinsam neue Designkonzepte zu entwickeln.

Verschiedene Länder, verschiedene Schwerpunkte

Seit Herbst 2016 hatten die Teilnehmer aus den unterschiedlichen Gruppen zusammen an neuen Ansätzen gearbeitet. Dabei wurde in jedem Land ein anderer Schwerpunkt gewählt. In Schweden ging es um Mode in Verbindung mit Klang, in Frankreich konzentrierte man sich auf die Beziehung Mode und Duft. In Belgien stand der Körper im Fokus, in Deutschland hingegen der Tastsinn.

Das gemeinsame übergeordnete Ziel war es jedoch, bestehende Kreationsmechanismen und Denkmuster aufzubrechen und neue Dimensionen für zukunftsorientierte Designprozesse zu eröffnen. Der Transfer von Wissen, Wahrnehmungen und Emotionen sowie die Anregung eines Lern- und Entwicklungsprozesses standen dabei im Mittelpunkt des Projekts. Designer und blinde Menschen sollten von der Perspektive des jeweils anderen lernen.

Präsentation der Ergebnisse in Paris

Bereits im September wurden in Berlin die deutschen Entwürfe vorgestellt. Vom 18. bis zum 28. Januar 2018 werden im Pariser Parc de la Villette – im Rahmen der internationalen Fashion Week und der Deutsch-Französischen Woche – nun die Ergebnisse aus allen Ländern erstmals gemeinsam präsentiert und speziell in Szene gesetzt. Dabei soll die Beziehung von Gestalt und Klang, Identität und Geruch, Material und Haptik sowie Raum und Körper verdeutlicht werden. Sehende Besucher sind aufgefordert, sich nicht nur auf ihre Augen zu verlassen.

Begleitet wird die Ausstellung von Expertenvorträge, Filmvorführungen und Workshops, in denen, angeleitet von Designstudierenden, blinden und sehbehinderten Menschen, genäht, drapiert, ertastet und gekostet wird.

Über „Beyond Seeing“

„Beyond Seeing“ ist eine Initiative des Goethe-Instituts Paris in Zusammenarbeit mit dem Institut Français de la Mode (IFM) in Paris, der Internationalen Kunsthochschule für Mode (ESMOD Berlin/Paris), der École Nationale Supérieure des Arts Visuels (La Cambre) in Brüssel, der Swedish School of Textiles sowie den Selbsthilfeorganisationen blinder und sehbehinderter Menschen aller beteiligten Länder (Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband, Fédération des Aveugles de France, VIEWS International). Das Projekt wird zudem unterstützt durch das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) und dem Deutsch-Französischen Preis für Kultur- und Kreativwirtschaft. 

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie >> HIER << (englischsprachige Seite)

Erste Eindrücke der Entwürfe finden Sie >> HIER << (anschließend nach unten scrollen)

Eine Rolle mit rotem Faden, seitlich ist eine Nähnadel in die Rolle gesteckt.

In Paris werden innovative Modekonzepte vorgestellt. Bildnachweis: Ww2censor

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