Was wünschen Sie sich von Autofahrern?

Zu diesem Thema wurde eine Umfrage unter blinden und sehbehinderten Menschen durchgeführt. Hier die zehn am häufigsten genannten Wünsche.  

Eine Frau mit Führhund geht entlang eines Taxistands
Blinde und sehbehinderte Menschen machen sich auch kenntlich, indem sie den weißen Stock benutzen oder mit einem Blindenführhund im Führgeschirr unterwegs sind. (Bildnachweis: DBSV/A.Friese)

1. Bitte nehmt uns wahr!
Nur ein Teil der blinden und sehbehinderten Menschen trägt die bekannten gelben Armbinden mit den drei schwarzen Punkten, denn man kann sich auch kenntlich machen, indem man den weißen Stock benutzt oder mit einem Blindenführhund im Führgeschirr unterwegs ist.

2. Bitte nehmt Rücksicht auf unsere besondere Situation!
Blinde und sehbehinderte Menschen sind mit sehenden Fußgängern nicht vergleichbar – sie können beispielsweise nicht in letzter Sekunde ausweichen und manchmal brauchen sie auch etwas länger, um sich zu orientieren. Deshalb: Rechtzeitig das Fahrzeug stoppen, genügend Abstand halten und erst wieder losfahren, wenn das ohne jedes Risiko möglich ist.

3. Bitte nicht auf dem Gehweg parken!
Dieser Wunsch wurde von nahezu allen Befragten geäußert. Wer auf dem Gehweg parkt, zwingt Menschen mit Seheinschränkung zu Umwegen, die gefährlich werden können, wenn sie über die Straße führen. Außerdem entstehen häufig Konflikte, wenn der Blindenlangstock mit dem Auto in Berührung kommt.

4. Bitte auch in Stau-Situationen Kreuzungsbereiche und Fußgängerüberwege freihalten!
Wenn auf dem direkten Weg über die Straße ein Auto steht, wird es von blinden Menschen häufig erst beim Kontakt mit dem Blindenlangstock wahrgenommen. Ausweichmanöver sind schwierig und verursachen Stress, wenn das Ende der Grünphase näher rückt.

5. Bitte keine Hindernisse in Bauch- oder Kopfhöhe!
Blinde Menschen pendeln mit dem Blindenlangstock vor sich über den Boden, deshalb werden Hindernisse in Bauch- oder Kopfhöhe zu spät wahrgenommen. Der Kontakt mit der offenen Heckklappe eines Transporters kann sehr schmerzhaft werden! Weitere Beispiele sind hochgefahrene Ladebühnen von LKWs und die Fahrradhalterung an Wohnmobilen – solche Hindernisse sollten nie auf den Gehweg ragen.

6. Bitte nicht hupen!
Hupen kann alles bedeuten von „Vorsicht!“ bis „Grüner wird’s nicht!“ Blinde und sehbehinderte Menschen können zudem nicht wissen, ob sie überhaupt gemeint sind, vielleicht möchte der Autofahrer ja einfach nur seine Nachbarin grüßen. Sobald ein sehbehinderter Mensch ihnen den Kopf zudreht, versuchen viele Autofahrer auch, mit Handzeichen zu kommunizieren – leider in aller Regel vergeblich.

7. Bitte Leitstreifen freihalten!
Bodenleitsysteme aus Rippen- und Noppenplatten sind auf vielen öffentlichen Plätzen zu finden – sie können von blinden und sehbehinderten Menschen mit dem Blindenlangstock ertastet werden und zeigen ihnen einen sicheren Weg. Wer auf einem Leitstreifen parkt, macht sein Auto zu einem Hindernis, das umlaufen werden muss – und das kann dann gefährlich werden.

8. Bitte keine Störgeräusche!
Blinde und sehbehinderte Menschen sind auf ihr Gehör angewiesen, um sich zu orientieren. Deshalb ist es nicht nur für die Umwelt problematisch, wenn Fahrer beim Halten minutenlang den Motor laufen lassen oder bei offenen Autofenstern die Boxen aufdrehen.

9. Bitte besondere Vorsicht, wenn Sie ein E-Auto fahren!
Geräuschlose Elektro- und Hybridautos sind für blinde Menschen sozusagen unsichtbar. Wer mit einem derartigen Wagen fährt, muss sich seiner besonderen Verantwortung bewusst sein.

10. Bitte die allgemeinen Verkehrsregeln beachten!
Dieser Wunsch mag banal klingen – aber blinde und sehbehinderte Fußgänger sind in ganz besonderem Maße darauf angewiesen, dass die anderen Verkehrsteilnehmer sich berechenbar verhalten. Viele Befragte wünschten sich auch freundlichere Autofahrer – die selbst dann die Fassung bewahren, wenn der Blindenlangstock mal an das Auto tippen sollte :-)

 

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