Klicksonar als Orientierungshilfe für blinde Menschen

In Deutschland ist die Technik erst seit ein paar Jahren bekannt. Bisher wird sie noch nirgendwo gelehrt, dabei bietet sie blinden Menschen neue Möglichkeiten.

Vielen Menschen ist der Begriff beziehungsweise die Abkürzung Sonar (Sound, Navigation, Ranging) vor allem aus der Seefahrt bekannt. Doch was bedeutet eigentlich Sonar, was macht es genau und vor allem wie? Übersetzen kann man es am besten mit den Begriffen Echoortung oder Schallnavigation, was bereits einen konkreteren Hinweis gibt.

Es geht um die Erkennung der Lage und Art von Objekten durch Aussenden von Schallwellen und dem anschließenden Auswerten der von den Gegenständen reflektierten Wellen. Dabei lassen sich Objekte, vor allem unter Wasser, orten und vermessen. Damit eine Echoortung gelingt, benötigt man drei Komponenten: Einen Ton (Schall), eine Fläche (Gegenstand), die den Ton reflektieren kann und natürlich einen Empfänger, der die zurückgeworfenen Töne auswertet.

Echoortung beim Menschen

Was viele Menschen nicht wissen, auch außerhalb des Wassers wird die Echoortung genutzt. Blinde Menschen nutzen die Technik als Orientierungshilfe und machen sich damit ein Bild von ihrer Umgebung. Dabei gibt es zwei Formen: die passive und die aktive Echoortung.

Bei der passiven Variante werden in der Umgebung vorhandene Schallquellen und deren Echos genutzt, um eine grobe Vorstellung von der Umgebung zu erhalten. Eine weiterentwickelte Form ist jedoch die aktive Echoortung. In ihrem Fall wird der Schall durch selbst erzeugte Signale ausgelöst. Der Vorteil dabei ist die Kontrolle über Stärke und Dauer des Schalls. Beides führt zu einer verlässlicheren Orientierungshilfe für blinde Menschen.

Klicksonar – die fortgeschrittene Form der Ortung

Bei der menschlichen, aktiven Echoortung ist das sogenannte Klicksonar, bei dem mit Hilfe eines Zungenklicks der Schall ausgesendet wird, die gängigste Form. Die ständige Verfügbarkeit der Zunge, die Einsatzmöglichkeiten in verschiedenen Situationen und die frei verfügbaren Hände sind Vorteile der Methode. Weitere sind die gute Kontrolle über Lautstärke und Ton des Zungen-Klicks sowie die Nähe zu den Ohren. Das Signal verlässt den Kopf in einer direkten Linie und das Echo kommt in direkter Linie zurück. Die Ohren sind dabei schon sofort auf das Ziel ausgerichtet und durch eine einfache Kopfbewegung hat der Nutzer die Möglichkeit, schnell in eine andere Richtung zu „blicken“. Durch regelmäßiges Training erzeugt das Gehirn ein mit dem Sehen vergleichbares Abbild der Umgebung, was den Nutzern große Möglichkeiten bietet. Erfahrene, gut trainierte Klick-Sonar-Nutzer können sogar Fahrrad fahren und sich auch in unbekannten Regionen schnell und selbstständig orientieren.

>> Hier geht es zu Videos zu beeindruckenden Beispielen aus Deutschland sowie einer Story über die Wegbereiter der Methode aus den USA und ihrer Fähigkeiten.

Diagramm einer Echortung bestehend aus Schall, reflektierender Gegenstand und Empfänger

Die Echoortung benötigt drei Komponenten: Schall, reflektierende Fläche und einen Empfänger. Bildnachweis: Woche des Sehens

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