Vernachlässigte Tropenkrankheiten betreffen eine Milliarde

Die Top 5 dieser unrühmlichen Liste sind für 90 Prozent aller Erkrankungen verantwortlich. Zu ihnen zählen auch die Augenerkrankungen Trachom und Flussblindheit.

Zu den vernachlässigten Tropenkrankheiten (im Englischen neglected tropical diseases, kurz NTD) werden mittlerweile 20 Erkrankungen gezählt. Eine Milliarde Menschen weltweit sind direkt von ihnen betroffen, weitere zwei Milliarden sind in Gefahr daran zu erkranken. Alleine fünf dieser Krankheiten sind ursächlich für ca. 90 Prozent der Erkrankungen weltweit.

Dabei sind es noch nicht einmal die bekannten Erkrankungen wie  Lepra, Tollwut oder die Schlafkrankheit, die zwar zu den NTDs, jedoch nicht zu den sogenannten „big five“ zählen. Es sind Krankheiten, deren Namen man in Deutschland selten oder nie hört. Neben dem Befall mit Geohelminthen (über den Boden übertragene Würmer), Elephantiasis (Lymphatische Filariose) und Bilharziose (Schistosomiasis) zählen auch die Augenerkrankungen Flussblindheit (Onchozerkose) und Trachom dazu.

Weit verbreitet doch wenig beachtet

Obwohl die NTDs weit verbreitet sind und zu schweren, langandauernden Erkrankungen führen, sind sie nicht im Bewusstsein der Bevölkerung der westlichen Welt verankert. Dies trägt jedoch nur teilweise zu ihrer Bezeichnung „vernachlässigte“ bei. Ein weiterer Grund ist die Tatsache, dass NTDs in der Regel in Verbindung mit Armut auftreten. Fast immer betreffen sie den ärmsten Teil der Bevölkerung in ohnehin armen Ländern. Diese Menschen haben häufig keinen Zugang zu ausreichender medizinischer Versorgung. Auch der Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu einer ausreichenden Ernährung ist oft nicht gegeben. NTDs sind daher auch ein Hinweis für vernachlässigte Bevölkerungen: Wo NTDs auftreten, fehlt es den betreffenden Menschen an wesentlichen Lebensgrundlagen.

Behinderungen als Folge

Die Krankheiten werden durch Bakterien, Viren, Würmer und Protozoen (einzellige Lebewesen) verursacht und kommen in erster Linie in tropischen Ländern vor. Auch wenn sie für gewöhnlich nicht direkt zum Tod führen, können sie eine große Belastung für die Betroffenen, deren Angehörige und in der Folge auch für die wirtschaftliche Situation in den jeweiligen Regionen bedeuten. Unbehandelt führen sie nämlich zu dauerhaften Behinderungen, die sehr unterschiedlich sind.

Während Flussblindheit und Trachom zu Erblindungen führen, verursacht Elephantiasis schwere körperliche Behinderungen und Entstellungen. Bilharziose und Würmer beeinträchtigen die Entwicklung von Kindern und die körperliche Leistungsfähigkeit von Erwachsenen. Die von Würmern verursachte Blutarmut bei Frauen führt in vielen Fällen zudem zu lebensbedrohlichen Komplikationen bei der Geburt.

Vermeidung und gute Behandlung wären möglich

Nach Meinung der meisten Fachleute könnten alle NTDs nicht nur gut behandelt, sondern sogar vermieden werden. Doch zu oft fehlt es in den betroffenen Ländern und Regionen an einer flächendeckenden Infrastruktur, ausreichenden und erschwinglichen Medikamenten sowie an Fachpersonal, das nicht nur die Behandlung durchführen, sondern auch Aufklärungsarbeit in Bezug auf die Krankheitsursachen leisten könnte.

 

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Eine jüngere Frau steht neben einer älteren Frau und verabreicht ihr eine Salbe ins Auge.

Äthiopien: Ansha (rechts) erhält von ihrer ältesten Tochter Sadda zur vorbeugenden Behandlung von Trachom Tetracycline-Salbe ins Auge. Bildnachweis: CBM

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