Warum macht häufiges Lesen kurzsichtig?

Forscher des Instituts für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Tübingen haben bei Untersuchungen eine neue Erklärung gefunden.

Bei Kurzsichtigkeit erzeugt das Auge unscharfe Bilder, wenn man versucht, weit entfernte Punkte zu sehen. Grund hierfür ist die zu große Länge des Auges. Da der Augapfel „zu lang“ gebaut ist, werden beim Sehen in die Ferne die Lichtstrahlen vor der Netzhaut gebündelt. Die Folge: Das wahrgenommene Bild ist unscharf. Immer mehr Menschen kennen das Problem, denn Kurzsichtigkeit – die Myopie – nimmt weltweit zu.

Vor allem wächst das Risiko von Myopie betroffen zu sein mit höherer Bildung und längerer Schulzeit. In Deutschland ist bereits die Hälfte der Abiturienten kurzsichtig. Die Gründe für den Anstieg der Myopie in Zusammenhang mit verstärktem Lesen sind jedoch nach wie vor nicht gänzlich geklärt. Eine Forschergruppe aus Tübingen hat nun einen neuen Erklärungsansatz.

Unterschied zwischen hell und dunkel

Die Fotorezeptoren im Auge beziehungsweise in der Netzhaut reagieren vor allem auf Kontraste. Dabei vergleichen sie die Helligkeit zwischen der Mitte und dem Randbereich des lichtempfindlichen Bereichs und geben diese Information an das Gehirn weiter. So genannte ON-Zellen in der Netzhaut messen dabei, ob im lichtempfindlichen Bereich die Mitte heller und die Umgebung dunkler ist. Andere Zellen, die OFF-Zellen, bewerten hingegen, ob die Mitte dunkler ist und die Umgebung heller. Frühere Untersuchungen haben bereits geziegt, dass eine Stimulation der OFF-Zellen das Wachstum des Auges verstärkt. Die ON-Zellen hingegen hemmen das Augenwachstum. Da beim normalen Sehen beide Zelltypen gleich stark gereizt werden, kommt es jedoch zu keinen Veränderungen.

Bedeutung der Schrift- und Hintergrundfarbe

Die neue Entdeckung der Forscher zeigt jedoch, dass es beim Lesen hier zu unterschiedlich starken Reizen kommen kann. Dies hat entsprechend auch direkten Einfluss auf das Wachstum des Auges. Bei ersten Tests wurde festgestellt, dass sich die Aderhaut verändert und das Auge in nächster Zeit wachsen wird, wenn schon 30 Minuten ein Text in schwarzer Schrift auf hellem Grund gelesen wird. Beim Lesen von heller Schrift auf dunklem Untergrund kehrte sich dieser Effekt um.

Diese ersten Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass dunkler Text auf hellem Grund die Kurzsichtigkeit fördert, heller Text auf dunklem Grund die Myopie jedoch hemmt. Dies soll jetzt in einer Studie mit belastbaren Daten bestätigt werden. Bewahrheitet sich die Annahme, so wäre die Umkehrung des Textkontrasts eine einfache Maßnahme, um die Entwicklung der Kurzsichtigkeit teilweise aufzuhalten.

 

>> Hier finden Sie den wissenschaftlichen Beitrag zum Thema: „Reading and Myopia: Contrast Polarity Matters (englischer Text)

>> Hier finden Sie eine grafische Darstellung des Auges mit Myopie

horizontal geteilter Text: Gründe für ist in weiß auf schwarzem Grund und Kurzsichtigkeit in schwarz auf weißem Grund geschrieben.

Text- und Hintergrundfarbe können laut der Forscher Auswirkungen auf Kurzsichtigkeit haben. Bildnachweis: Woche des Sehens

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