Was wünschen Sie sich von Autofahrern?

Zu diesem Thema wurde im Juli und August 2015 eine Umfrage unter blinden und sehbehinderten Menschen durchgeführt. Hier die zehn am häufigsten genannten Wünsche.  

Eine Frau mit Führhund geht entlang eines Taxistands
Blinde und sehbehinderte Menschen machen sich auch kenntlich, indem sie den weißen Stock benutzen oder mit einem Blindenführhund im Führgeschirr unterwegs sind. (Bildnachweis: DBSV/A.Friese)

1. Bitte nehmt uns wahr!
Nur ein Teil der blinden und sehbehinderten Menschen trägt die bekannten gelben Armbinden mit den drei schwarzen Punkten, denn man kann sich auch kenntlich machen, indem man den weißen Stock benutzt oder mit einem Blindenführhund im Führgeschirr unterwegs ist.

2. Bitte nehmt Rücksicht auf unsere besondere Situation!
Blinde und sehbehinderte Menschen sind mit sehenden Fußgängern nicht vergleichbar – sie können beispielsweise nicht in letzter Sekunde ausweichen und manchmal brauchen sie auch etwas länger, um sich zu orientieren. Deshalb: Rechtzeitig das Fahrzeug stoppen, genügend Abstand halten und erst wieder losfahren, wenn das ohne jedes Risiko möglich ist.

3. Bitte nicht auf dem Gehweg parken!
Dieser Wunsch wurde von nahezu allen Befragten geäußert. Wer auf dem Gehweg parkt, zwingt Menschen mit Seheinschränkung zu Umwegen, die gefährlich werden können, wenn sie über die Straße führen. Außerdem entstehen häufig Konflikte, wenn der Blindenlangstock mit dem Auto in Berührung kommt.

4. Bitte auch in Stau-Situationen Kreuzungsbereiche und Fußgängerüberwege freihalten!
Wenn auf dem direkten Weg über die Straße ein Auto steht, wird es von blinden Menschen häufig erst beim Kontakt mit dem Blindenlangstock wahrgenommen. Ausweichmanöver sind schwierig und verursachen Stress, wenn das Ende der Grünphase näher rückt.

5. Bitte keine Hindernisse in Bauch- oder Kopfhöhe!
Blinde Menschen pendeln mit dem Blindenlangstock vor sich über den Boden, deshalb werden Hindernisse in Bauch- oder Kopfhöhe zu spät wahrgenommen. Der Kontakt mit der offenen Heckklappe eines Transporters kann sehr schmerzhaft werden! Weitere Beispiele sind hochgefahrene Ladebühnen von LKWs und die Fahrradhalterung an Wohnmobilen – solche Hindernisse sollten nie auf den Gehweg ragen.

6. Bitte nicht hupen!
Hupen kann alles bedeuten von „Vorsicht!“ bis „Grüner wird’s nicht!“ Blinde und sehbehinderte Menschen können zudem nicht wissen, ob sie überhaupt gemeint sind, vielleicht möchte der Autofahrer ja einfach nur seine Nachbarin grüßen. Sobald ein sehbehinderter Mensch ihnen den Kopf zudreht, versuchen viele Autofahrer auch, mit Handzeichen zu kommunizieren – leider in aller Regel vergeblich.

7. Bitte Leitstreifen freihalten!
Bodenleitsysteme aus Rippen- und Noppenplatten sind auf vielen öffentlichen Plätzen zu finden – sie können von blinden und sehbehinderten Menschen mit dem Blindenlangstock ertastet werden und zeigen ihnen einen sicheren Weg. Wer auf einem Leitstreifen parkt, macht sein Auto zu einem Hindernis, das umlaufen werden muss – und das kann dann gefährlich werden.

8. Bitte keine Störgeräusche!
Blinde und sehbehinderte Menschen sind auf ihr Gehör angewiesen, um sich zu orientieren. Deshalb ist es nicht nur für die Umwelt problematisch, wenn Fahrer beim Halten minutenlang den Motor laufen lassen oder bei offenen Autofenstern die Boxen aufdrehen.

9. Bitte besondere Vorsicht, wenn Sie ein E-Auto fahren!
Geräuschlose Elektro- und Hybridautos sind für blinde Menschen sozusagen unsichtbar. Wer mit einem derartigen Wagen fährt, muss sich seiner besonderen Verantwortung bewusst sein.

10. Bitte die allgemeinen Verkehrsregeln beachten!
Dieser Wunsch mag banal klingen – aber blinde und sehbehinderte Fußgänger sind in ganz besonderem Maße darauf angewiesen, dass die anderen Verkehrsteilnehmer sich berechenbar verhalten. Viele Befragte wünschten sich auch freundlichere Autofahrer – die selbst dann die Fassung bewahren, wenn der Blindenlangstock mal an das Auto tippen sollte :-)

 

 

Kommentare (7)

  1. Lus Tich am 24.09.2015
    Hallo,

    dazu sollte man aber auch sagen, dass sich viele Blinde selbst nicht an die Verkehrsregeln halten. Sie rennen zum Beispiel oft über Zebrastreifen, obwohl sie das nicht dürfen oder überqueren die Straße an einer Stelle, wo das verboten ist.
  2. Woche des Sehens am 24.09.2015
    Liebe(r) Lus Tich,

    blinde und sehbehinderte Menschen haben genau wie sehende Menschen auch das Recht über Zebrastreifen zu gehen. Laut Straßenverkehrs-Ordnung § 26 haben Fahrzeuge "den zu Fuß Gehenden [...], welche den Überweg erkennbar benutzen wollen, das Überqueren der Fahrbahn zu ermöglichen." Hier wird natürlich kein Unterschied zwischen blinden und sehenden Menschen gemacht.
    Selbstverständlich kann es vorkommen, dass blinde und sehbehinderte Menschen Probleme bei der Orientierung im Straßenverkehr haben und Straßen an Stellen überqueren, an denen es nicht gestattet ist. Dies geschieht jedoch nicht absichtlich. Aus diesem Grund wurde auch der zweite Wunsch "Bitte nehmt Rücksicht auf unsere besondere Situation!" häufig genannt und hier aufgeführt. Die gegenseitige Rücksichtnahme ist im Straßenverkehr von großer Bedeutung - in jeder Hinsicht.
  3. Thorsten am 25.09.2015
    Ich unterstütze die zehn genannten Wünsche. Ergänzen möchte ich aber aus meiner Erfahrung mit dem Langstockgehen, dass Autofahrer in der Regel rücksichtsvoll sind. Sie halten meist an und warten ausreichend lange, sodass alles sicher vonstatten gehen kann. Im Hinblick auf die Elektroautos kommt uns bislang zugute, dass sie eine derart geringe Verbreitung finden.
  4. Barbara Nollau-Losemann am 27.09.2015
    Es würde vielleicht ausreichen, wenn in den größeren und kleineren Ortschaften und Städten die Einhaltung unserer vielen Verkehrsregeln einfach unregelmäßig kontrolliert würde durch entsprechende Ordnungskräfte. Geld scheint doch in Deutschland da zu sein.
    Das Überqueren unserer Straße wenn ich einkaufe, ist trotz Zebrastreifen immer lebensgefährlich. Radfahrer brausen von hinten an einem vorbei auf dem Fußweg, die haben immer Vorfahrt, so scheint es jedenfalls. Ich sehe zwar noch leidlich, aber das nützt mir nichts, ich erschrecke mich ständig, durch Radfahrer. Wer hat schon hinten Augen?????Und sogar unsere Busfahrer fahren bei Rot einfach über die Ampel, sie sind immer in Eile, weil meist zu spät .
    Was nutzen die schönsten, ausgearbeiteten Gesetze, wenn die Einhaltung nicht kontrolliert wird???? Krass zeigt sich das jetzt durch diesen Abgasskandal.
  5. M. Pompe am 30.09.2015
    Eins fehlt noch und es ist furchtbar dringend: Bitte niemals einfach anfassen! Es ist sehr erschreckend und führt nur zu Desorientierung, denn: würden Sie einem Unbekannten, den Sie nicht sehen und der kommentarlos Ihre Grenzen überschreitet, folgen? Ich nicht!!!
  6. Sehhund am 11.10.2015
    Evtl. habe ich den zweiten Punkt dieser Liste ja falsch verstanden, doch ich finde es störend wenn ein Auto anhält um mich über eine Straße zu lassen. Ich habe es gelernt und möchte auch behaupten viele andere die nichts oder schlecht sehen haben es auch gelernt bei einem wartenden Auto ebenfalls zu warten. Da es für das Halten des Fahrzeuges verschiedene Gründe geben kann.
  7. André Rabe am 30.10.2015
    Zunächst ein mal muss man natürlich erkennen, ob ein Überqueren "verboten ist", da helfen Schilder oder ähnliches schlicht nicht. Und in nicht so bekannten Umgebungen sucht man sich manchmal einfach den Direkten Weg, auch wenn man dort normalerweise nicht queren würde. Ein sehender kann schon aus großer Entfernung erkennen, oh, da ist eine Ampel, ein Zebrastreifen oder eine andere Querungsmöglichkeit. Bevor ich mühsam eine Echte Querungsstelle suche, und sich doch nicht finde, weil sie nicht gut zu erkennen ist, suche ich mir halt eine Stelle, wo ich denke, das ich gefahrlos queren kann. Und die Rücksichtnahme gilt ebenso für ALLE, auch Fußgänger haben ein Talent sich auf voller Breite auf Fußweg und Radweg zu bewegen, schön nebeneinander und gehen reagieren nicht mal wenn man klingelt. Schon oft mit dem Tandem erlebt.

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