Mobil mit Sehbehinderung

Leitsysteme, Mobilitätstraining und Hilfsmittel ermöglichen Menschen mit Seheinschränkung, sich im öffentlichen Raum zu orientieren.

weiterlesen

Um Fotos anzufordern, schicken Sie die Dateinamen der gewünschten Bilder unter Nennung des Verwendungszwecks per E-Mail an pressebild@dbsv.org. Wir übermitteln Ihnen die Bilder anschließend samt Bildnachweis als JPG-Dateien in einer Auflösung, die den Einsatz als Pressebild erlaubt (300 dpi).

Weitere Bilder zu Blindheit und Sehbehinderung in Deutschland finden Sie unter den Pressebildern des DBSV.

Nach oben

Sich heutzutage im öffentlichen Raum sicher zu bewegen, ist meist keine leichte Sache. Besonders in Städten tobt der Verkehr, in Stoßzeiten strömen viele Menschen von A nach B, die Gehwege sind vollgepflastert mit Fahrradständern, Werbeaufstellern und E-Rollern. Für sehbehinderte Menschen ist die Fortbewegung noch schwieriger, zumal sie im Zeitalter der E-Mobilität Elektroautos und -roller kaum hören können. Darüber hinaus bereiten ihnen Blendung, Lichtwechsel und das Gehen in der Dämmerung und Dunkelheit große Schwierigkeiten. Um beim Weg zur Arbeit, zum Einkauf, zu Freizeitaktivitäten selbstständig zu bleiben, ist Unterstützung nötig. Sie finden sie durch eine spezielle Schulung, verschiedene Hilfsmittel für unterwegs und Hilfe von sehenden Menschen.

Um als sehbehinderter oder blinder Mensch sichtbar zu sein, empfiehlt sich eine Kennzeichnung. Sie ist keine Pflicht, bietet aber wichtige Vorteile. So ist auf Anhieb klar, dass die Person kaum oder nicht sehen kann. Das führt zu mehr Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft durch andere Verkehrsteilnehmer. Rechtlich gesehen ist eine Kennzeichnung ebenfalls anzuraten, da sehbehinderten Menschen ohne Kennzeichnung im Falle eines Unfalls immer eine Mitschuld zugesprochen werden kann. Anerkannte Kennzeichnungen sind der weiße Langstock, gelbe Armbinden mit drei schwarzen Punkten an beiden Armen und ein Blindenführhund im weißen Führgeschirr.

Schulung in Orientierung und Mobilität

Eine Schulung in Orientierung und Mobilität (O&M) befähigt sehbehinderte und blinde Menschen, sich von fremder Hilfe so unabhängig wie möglich zu machen. Unter bestimmten Voraussetzungen und mit Verordnung durch den Augenarzt wird sie von der Krankenkasse finanziert. Zentrale Punkte der Schulung sind Orientierungsstrategien für bestimmte Situationen im Straßenverkehr, die Einweisung in den Umgang mit dem Langstock, Kenntnis und Gebrauch anderer wichtiger Hilfsmittel wie Kantenfilterbrillen und Monokulare sowie die Schulung der verbleibenden Sinne und die Förderung des Körperbewusstseins.

Ampeln, Leitsysteme und Markierungen

Hilfestellung bei der Straßenüberquerung geben Ampeln, die mit akustischen und taktilen Signalgebern ausgestattet sind. Leitsysteme mit Rillen- oder Noppenplatten erleichtern seheingeschränkten Menschen die Fortbewegung im öffentlichen Raum mit Hilfe des Langstocks. Sehbehinderte Menschen sind vor allem auf Kontraste in Form von Stufenmarkierungen an Treppen und ausreichender Beleuchtung angewiesen.

Hilfen für mehr Mobilität

Monokulare, kleine kompakte Fernrohre mit geringem Gewicht, unterstützen beispielsweise beim Lesen von Straßenschildern, Anzeigetafeln und Fahrplänen. Smartphones und Tablets mit speziellen Applikationen helfen ebenfalls bei der Orientierung: Navigations-Apps für Fußgänger unterstützen bei der Zielfindung, Fahrplan-Apps informieren über Routen sowie Abfahrts- und Ankunftszeiten, Vergrößerungs-Apps erleichtern das Lesen von Fahrplänen und Informationstafeln. Alle diese Daten können auch per Sprachausgabe abgerufen werden.

Hilfe und Unterstützung durch sehende Verkehrsteilnehmer sollte in angemessener, respektvoller Art erfolgen. Zuerst sollte der sehbehinderte oder blinde Mensch gefragt werden, ob er überhaupt möchte, dass ihm geholfen wird, und wie die Hilfe erfolgen soll. Sofortige Berührungen oder spontanes Ziehen über die Straße sind zu vermeiden. Damit der zu unterstützende Mensch die folgenden Geschehnisse einordnen kann, empfiehlt es sich, ihn über die Beschaffenheit der Umgebung, eventuelle Hindernisse und die nächsten Schritte zu informieren.

Gedanken für die Zukunft

Trotz dieser Vorkehrungen und Hilfsmittel muss noch viel getan werden, um die Fortbewegung im öffentlichen Raum für sehbehinderte und blinde Menschen sicherer und komfortabler zu machen.

  • Gegenseitige Rücksichtnahme und respektvoller Umgang miteinander helfen allen Verkehrsteilnehmern.
  • Ampelanlagen: Verbesserung der Barrierefreiheit durch Umrüstung bestehender Ampelanlagen
  • Hindernisse: Werbeaufsteller, Fahrräder und E-Scooter in Fußgängerzonen sollten nicht als mögliche Stolperfallen platziert werden.
  • Beschilderung: Eine kontrastreiche und ausreichend große Beschilderung kommt allen zugute.
  • Normen nach DIN und Vorgaben zur barrierefreien Gestaltung des öffentlichen Raums müssen ohne Ausnahmen verbindlich werden.
  • Umfassende Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen: Mit der zunehmenden Digitalisierung ist die Beachtung der Barrierefreiheit wichtig, da sonst die Zugänglichkeit in diesem Bereich für sehbehinderte Menschen erschwert wird oder gar nicht erst möglich ist.
  • Rehabilitation: Schulungen zur Rehabilitation werden zwar angeboten, doch leider schrumpft die Zahl der Reha-Lehrerinnen und ‑Lehrer enorm. Das gefährdet eine gute Ausbildung in Orientierung und Mobilität.

Informationen und Angebote für die Schulung in Orientierung und Mobilität (O&M):
https://www.rehalehrer.de/orientierung-mobilitaet/


Pressekontakt:

Volker Lenk
E-Mail: v.lenk@dbsv.org
Tel.: 0163 / 486 30 34

Nach oben

Partner der Aktion: