Hören, was zu sehen ist

Filme mit Audiodeskriptionen (AD) ermöglichen es Menschen mit Sehbeeinträchtigung, Filme im Ganzen zu genießen. Doch was genau verbirgt sich hinter einem solchen Hörfilm?

Eine typische Filmszene: eine rasante Verfolgungsjagd durch ein altes Fabrikgelände. Der Verfolgte wirft seinem Jäger geschickt ein rostiges Fass vor die Füße, wagt einen abenteuerlichen Sprung von einem Dach auf das nächste Dach, in dem Spalt zwischen ihnen der Abgrund. Lautlos bleibt der Held hinter einem Mauervorsprung stehen, lugt vorsichtig um die Ecke nach dem Jäger. Was er nicht sieht: dieser hat sich bereits von hinten angeschlichen.
Auch blinde und sehbehinderte Filmfans sehen den Jäger nicht. Bei fehlendem Dialog, aber dramatischem Crescendo in der Musik reimen sie sich zusammen, was im Film geschehen mag.

Wer hat’s erfunden?

Das könnte anders sein, dachte sich wohl Gregory Frazier an der Francisco State University of Creative Arts Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. So entwickelte er die Technik der Audiodeskription (AD). Die AD liefert in Dialogpausen bei Filmen knappe Erläuterungen zu den visuellen Elementen einer Szene, also zu Gestik, Mimik und Dekor.
In Europa wurde die Technik erstmals 1989 bei den Filmfestspielen in Cannes präsentiert. Seither kommt sie im Kino, Fernsehen und im Theater zum Einsatz.

Wie wird’s gemacht?

Eine AD entsteht in einem Team aus sehenden und nicht sehenden Menschen. Gemeinsam mit speziell ausgebildeten Filmbeschreiber*innen entwickeln sie die knappen und prägnanten Texte. Diese folgen bestimmten Regeln. Nachdem die Texte von professionellen Sprecher*innen im Tonstudio eingesprochen wurden, werden sie mit dem Originalton abgemischt.
Eine besondere Herausforderung sind dabei die häufig nur kleinen Lücken zwischen den Dialogen. Zudem soll die Atmosphäre des Films erhalten bleiben. So besteht eine der Haupttätigkeiten beim Texten darin, sie immer mehr zu verknappen.

Wo gibt’s Hörfilme?

Ganze acht Sendetermine für Hörfilme gab es 1997 im deutschen Fernsehen. 2010 waren es schon 950. Inzwischen hat sich die Palette deutlich vergrößert und Interessierte können auf rund zwanzig Angebote pro Woche zugreifen. Allerdings halten im Fernsehen bislang nur die öffentlich-rechtlichen Sender AD-Versionen bereit – nicht nur für Filme, sondern auch für Übertragungen von Sportveranstaltungen oder bei Unterhaltungssendungen.
Hörfilmfassungen sind nur über digitalen Empfang möglich: Antenne (DVB-TII), Kabel (DVB-C), Satellit (DVB-S) oder Internet (DVB-IPTV). Die Audiodeskription wird auf einem zusätzlichen Tonkanal ausgestrahlt, den man über das Audiomenü des Empfangsgerätes anwählen kann. Dabei sind keine speziellen Zusatzgeräte erforderlich.

Weitere Informationen über Hörfilme und das aktuelle Programm im Fernsehen, in Mediatheken und auf DVD gibt es auf www.hörfilm.info.

Einer der Partner der Woche des Sehens, der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV), hat 2002 den Deutschen Hörfilmpreis ins Leben gerufen. Er zeichnet besonders gelungene Hörfilme aus.
Auch wir bieten unsere Videos in Hörfilmfassungen an. Einfach mal reinschauen bei unseren Filmen oder auf dem YouTube-Kanal der Woche des Sehens.

 

Informationen und aktuelles Hörfilmprogramm: www.hoerfilm.info

Filme der Woche des Sehens mit Hörfilmfassung: https://www.youtube.com/user/WochedesSehens

Alle Hörfilme in der ARD-Mediathek: https://www.ardmediathek.de/daserste/sammlung/hoerfassungen-audiodeskription/4qzt7I7zIJfaBLMgcRQ2Ny/

Alle Hörfilme in der ZDF-Mediathek: https://www.zdf.de/barrierefreiheit-im-zdf/sendungen-mit-audiodeskription-hoerfilme-100.html

Deutscher Hörfilmpreis: www.deutscher-hoerfilmpreis.de

Auf orangerotem Hintergrund liegt schräg von links oben nach rechts unten ein stilisierter schwarz-weißer Filmstreifen. Auf diesem schwarz auf weißem Grund ein durchgestrichenes Auge.

Filme mit Audiodeskription sind mit dem Symbol eines durchgestrichenen Auges gekennzeichnet. Bild: Woche des Sehens

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