Wie Kinder (nicht) kurzsichtig werden

In diesen Wochen kehren Schülerinnen und Schüler nach den Ferien zurück vor Schulhefte, Tablets und Bildschirme. Für ihre Augen beginnt damit eine Zeit, in der Kurzsichtigkeit lauert. Doch Vorbeugung ist gar nicht so schwer.

Aufgrund der verschiedenen Corona-Regelungen sieht die Rückkehr in die Schule von Land zu Land und Stadt zu Stadt zwar unterschiedlich aus. Die Augen der Kinder und Jugendlichen aber werden überall wieder verstärkt auf Schulhefte und Computer gerichtet sein, also auf Objekte in einem Abstand unter 30 Zentimeter. Doch solche Naharbeit fördert Kurzsichtigkeit.

Wie kommt es zur Kurzsichtigkeit?

Kurzsichtigkeit entsteht meist durch ein zu langes Auge. Ein menschliches Auge ist normalerweise etwa 24 Millimeter lang. Schauen wir mit einem längeren Auge in die Ferne, werden ins Auge fallende Lichtstrahlen vor der Netzhautebene fokussiert anstatt direkt darauf. Bereits ein einziger Millimeter Länge bewirkt einen Sehfehler von 2,7 Dioptrien.

Neben erblichen Anlagen wirken sich auch Umweltfaktoren auf das Wachstum des Auges in der Kindheit aus. Andauernde Naharbeit fördert das Augenwachstum. Tageslicht dagegen hemmt es. Eine gute Balance ist wichtig. Denn wenn die Augen zu viel wachsen, entsteht eine irreversible Kurzsichtigkeit. Man sagt, sie werden myop. Daher heißt die Kurzsichtigkeit „Myopie“.

Wie lässt sich kindlicher Kurzsichtigkeit vorbeugen?

Zur Vorbeugung von Kurzsichtigkeit muss das übermäßige Längenwachstum des Auges aufgehalten werden. Das einfachste Mittel dafür ist das Tageslicht. Augenärztinnen und Augenärzte empfehlen daher, dass sich Kinder täglich mindestens zwei Stunden bei Tageslicht im Freien aufhalten.
Auch wenn dies im Schulalltag nicht immer so leicht umzusetzen ist, lohnt es sich sehr. Immerhin sinkt damit das Risiko, dass Kinder kurzsichtig werden, um die Hälfte.

Natürlich möchten Kinder und Jugendliche Computer, Smartphones und Tablets nutzen. Und in der Schule müssen sie dies ja teilweise auch.
Es gibt keine wissenschaftlich belegten Zeitangaben, wie lange Kinder in welchem Alter auf Bildschirme schauen sollten. Aber es gilt: Je jünger ein Kind ist, desto kürzer sollte die Zeit sein, die es mit Naharbeit verbringt.

Wenn Kinder bereits kurzsichtig sind, versuchen Augenärztinnen und Augenärzte den Sehfehler möglichst klein zu halten. Dafür setzen sie zum Beispiel Augentropfen ein, die niedrig dosiertes Atropin enthalten, oder spezielle Kontaktlinsen. Gegebenfalls bekommt das Kind auch eine Brille verordnet.

„Geh doch mal an die frische Luft!“, forderten uns schon unsere Großmütter und Großväter auf. Was ihnen damals vielleicht gar nicht bewusst war, wissen wir heute: diese allgemeine Gesundheitsmaßnahme kann auch Kinderaugen vor Kurzsichtigkeit bewahren. Also: Hinaus und im bunten Herbst spielen!

 

Weitere Informationen:

Behandlungsmöglichkeiten von Kurzsichtigkeit bei Kindern (Berufsverband der Augenärzte)
Junge Augen schützen: Vorsorge bei Kindern (Berufsverband der Augenärzte)
Kinderbrillen (Deutsche Ophtalmoloische Gesellschaft und Berufsverband der Augenärzte)

Ein kleiner Junge mit Indianerkopfschmuck blickt verschmitzt durch einen Zaun.

Täglich draußen am Tageslicht zu sein beugt kindlicher Kurzsichtigkeit vor. Bild: BVA

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