Schmerzen bei jedem Wimpernschlag

Christoffel-Blindenmission hilft dreifacher Mutter aus Äthiopien durch Operation

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Faya/Bensheim.Eine Pinzette kann vielseitig eingesetzt werden, vom Herausziehen eines Splitters bis zum Zupfen einer verirrten Augenbraue. In Faya, im Norden Äthiopiens, ist der Boden voller Dornen und Disteln und riesige stachelige Kakteen säumen die Felder. Fast alle leben von Landwirtschaft. Eine Werento, wie die Pinzette auf Amharisch heißt, hat jeder. Aber hier hat die Werento noch einen anderen Zweck.

Dinknesh Wondifraw ist eine schüchterne, zierliche 38-Jährige. Sie ist verheiratet und hat drei Kinder, das älteste ist 21, das jüngste 1 Jahr alt. Ihr Haus liegt im Zentrum von Faya, nicht viel mehr als eine Ansammlung von ein paar Dutzend kleiner traditioneller Häuser auf einer Anhöhe in einem sanft abfallenden Tal.

Wondifraw sitzt auf der niedrigen Steinmauer hinter ihrem Haus und blinzelt, während sie über ihre Kochstelle schaut, die Grubenlatrine und das Feld, auf dem ein paar Ziegen grasen. In dieser ländlichen Umgebung sind die Fliegen allgegenwärtig und bergen eine Gefahr. Sie übertragen ein hochansteckendes Bakterium von Mensch zu Mensch: Chlamydia Trachomatis. Trachom ist die weltweit häufigste infektiöse Ursache für Blindheit. Trachom wird oft zuerst auf Kinder übertragen und dann an ihre Mütter weitergegeben. Da sie sich am meisten um die Kinder kümmern, sind Frauen doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Eine Wirkung wie Sandpapier

Nach jahrelanger, wiederholter Infektion führt das Trachom langsam dazu, dass sich die Augenlider nach innen drehen und die Wimpern gegen das Auge kratzen, wobei jeder Lidschlag zu Sehstörungen und Blindheit führt. Das Kratzen und Jucken ist unglaublich schmerzhaft, deshalb hat Wondifraw die weniger schmerzhafte Option gewählt, sich die Wimpern auszureißen. Das Eindrehen der Wimpern aufgrund einer Trachom-Infektion wird Trichiasis genannt und kann chirurgisch korrigiert werden, bevor es bleibende Schäden am Auge verursacht. Oft aber wissen die Menschen nichts über diese Möglichkeit und können sich den Arztbesuch nicht leisten.

Die Christoffel-Blindenmission (CBM)und ihre lokalen Partner haben deshalb das Amhara-Trachom-Kontrollprogramm gestartet. Brunnen werden gegraben und eingefasst, um die Hygiene zu verbessern. Das Programm schult Gesundheitshelfer, unterstützt sie finanziell und schickt Ärzte in die Dörfer, um den Menschen vor Ort zu helfen.

Endlich schmerzfrei

Letztes Jahr ließ Wondifraw so die Trichiasis an ihrem rechten Auge operieren. Sie war überrascht, als die Gesundheitshelfer in ihrem Dorf sagten, dass die Operation in der örtlichen Gesundheitsstation durchgeführt werden kann. Noch überraschender war die Tatsache, dass der Eingriff völlig kostenlos war. "Das hatte ich nicht erwartet, deshalb bin ich sehr glücklich! Ich weiß, dass jemand für meine Operation bezahlt hat: Möge Gott Sie segnen."

Jetzt ist das zweite Auge dran: In der Gesundheitsstation gibt es nur drei Räume: Einer davon ist der Untersuchungsraum. Auf einem der Stühle hat die Chirurgin Zehab Abdurohman ihr steriles Operationsbesteck sorgfältig ausgebreitet. Als Wondifraw in der Klinik eintrifft, steht dem Eingriff nichts mehr im Wege. Die Ärztin bittet sie, sich auf den Untersuchungstisch zu legen und bedeckt ihr Gesicht sorgfältig mit einem sterilen Tuch. Weniger als dreißig Minuten später verlässt Wondifraw die Klinik und geht nach Hause.

Armut und Blindheit bedingen sich gegenseitig

Sie wird den Verband über ihrem Auge einen Tag lang tragen und in ein paar Tagen zu einer Kontrolluntersuchung mit den Gesundheitshelfern gehen. CBM-Projektleiter Muluneh Aschale sagt, dass ein großer Teil des Erfolges im Kampf gegen Trachom den Gesundheitshelfern zu verdanken ist, die sich um die medizinischen Bedürfnisse ihrer Gemeinde kümmern. "Wenn wir so weitermachen, werden wir in der Lage sein, Trachom zu eliminieren", ist Aschale überzeugt. Programme wie dieses durchbrechen den Kreislauf von Blindheit und Armut, erklärt er. "Ist jemand in der Gemeinde erblindet, braucht er eine andere Person, die ihn führt. Dann können zwei Menschen keine Landwirtschaft betreiben. Sie werden arm, und der Kreislauf beginnt von Neuem."

Es ist Samstag, vier Tage nach Wondifraws Operation. Ihre Wimpern kratzen nicht mehr, es gibt keine juckenden Schmerzen mehr und das Auge heilt gut. "Ich fühle mich schon besser", sagt sie schüchtern. Wondifraw wirkt entspannt und zuversichtlich. Sie lächelt sogar und sagt: "Ich bin so dankbar, was für mich getan wurde."


Pressekontakt:

Marion Muhalia
E-Mail: marion.muhalia@cbm.org
Tel.: 06251 / 131 - 341

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