Das rollende Sprechzimmer

Interview mit Baker Kasirye, Mengo-Klinik Kampala/Uganda

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Für die augenmedizinische Arbeit in Ländern des globalen Südens sind mobile Außeneinsätze essenziell. Nur mit diesen „Outreach“-Diensten können Augenpatienten und -patientinnen in strukturschwachen Regionen erreicht werden. Das augenärztliche Team der Mengo-Klinik in Kampala/Uganda geht oder besser fährt hier seit einiger Zeit neue Wege: Mit einem gut ausgestatteten „Outreach-Van“, finanziert von der Christoffel-Blindenmission (CBM). Wieso dieser Kleinbus so wichtig ist, erläutert Baker Kasirye, Leiter des Mengo-Outreach-Teams.

Herr Kasirye, inwiefern erleichtert der Outreach-Van Ihnen die bisherige mobile Arbeit?

Der Van ist eine wichtige Ergänzung zu unseren bisherigen mobilen Diensten. Bislang hatten wir nur einen normalen Kleinbus, um mit unserer Ausrüstung in die Gemeinden zu fahren. Es war schwierig, alle benötigten Materialien mitzunehmen und vor Ort geeignete Bedingungen für den Einsatz zu finden.

Der neue Van ist ganz anders ausgestattet: Wir haben Platz für zwei fest montierte Spaltlampen, viele weitere Geräte und Ausrüstung. Ein Raum kann verdunkelt werden, was für die Diagnose oft essenziell ist. Künftig planen wir, in dem Wagen auch kleinere Eingriffe durchzuführen, wie z.B. Lidoperationen bei Trachom. Auch der Datenschutz ist viel besser. Oft mussten wir in den Dörfern im Freien arbeiten, alle Gemeindemitglieder saßen um uns herum. Jetzt kommen die Patientinnen und Patienten in den Van, die Privatsphäre ist gewahrt. Und nicht zuletzt verfügt der Wagen über eine Lautsprecheranlage für Durchsagen und Gesundheitsschulungen.

Wie viele Einsätze planen Sie?

Monatlich soll es einen mehrtägigen mobilen Einsatz in die strukturschwächsten Regionen geben. Wir wollen dabei bewusst nicht in die Gesundheitszentren regionaler Städte gehen, sondern direkt in die Gemeinden.

Was müssen Sie bei den Einsätzen bedenken?

Das beginnt mit guter Planung: In welche Gemeinden wollen wir fahren, was ist sinnvoll, wo gibt es zuverlässige Ansprechpartner, die sich um die Organisation vor Ort kümmern und so weiter. Auch die Erreichbarkeit ist oft ein Problem. Viele Orte sind schwierig anzufahren, die Straßen schlecht ausgebaut. Wenn es regnet, sind sie oft unpassierbar. Und wir müssen zur richtigen Zeit starten, z.B. nicht gerade während der Pflanz- oder Erntezeit. Eine Herausforderung ist auch die weitere Versorgung der Patientinnen und Patienten – wer kümmert sich um die zeitnahe Nachsorge? Und auch Medikamente sind ein großes Thema. Wir müssten eigentlich alle Medikamente kostenlos verteilen. Doch selbst wenn die Patienten genügend Geld haben und es eine Apotheke gibt – manche Medikamente sind leider auch dort nicht zu bekommen.

Die Nachsorge wollen Sie jetzt verbessern?

Ja, künftig reist eine Woche nach dem mobilen Einsatz ein Augenarzt zur Nachbehandlung in die Gemeinden. Früher baten wir die Patientinnen und Patienten zur Kontrolle in die Klinik zu kommen. Aber aufgrund der Entfernung und der Transportkosten sind viele nicht aufgetaucht. Oder sie kamen erst viel zu spät, wenn es schon Komplikationen gab. Im Moment testen wir aus, welcher Ansatz am besten funktioniert.

Wären Satellitenkliniken hilfreich?

Ja, ich denke, das wäre sehr sinnvoll. Die augenärztliche Versorgung in Uganda ist noch immer mangelhaft. Wir haben nicht genug Fachkräfte. Und das vorhandene Personal ist oft schlecht ausgestattet – häufig müssen sie mit Taschenlampen und einfachen Ophthalmoskopen arbeiten. Kleine, personell und materiell gut ausgestattete Satellitenkliniken wären also von großem Wert. Doch das liegt noch in der Zukunft – jetzt sind wir froh über den Outreach-Van. Wir hoffen, dass sich dieses neue Konzept bewährt und dann weiter ausgebaut wird.


Zum Pressetext "Augenarzt-Praxis auf vier Rädern" 


Pressekontakt:

Marion Muhalia
E-Mail: marion.muhalianoSpam@noSpamcbmnoSpam.org
Tel.: 06251 / 131 - 341

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