Ziel und Einsatzmöglichkeiten der Unterrichtseinheit

Ziel des Bausteins II „Leben mit Seheinschränkung“ ist die Sensibilisierung der Schülerinnen und Schüler für das Leben von Personen mit einer Sehbehinderung und blinden Menschen. Dabei steht die Perspektivübernahme im Mittelpunkt der Unterrichtsstunde. Die Schülerinnen und Schüler versetzen sich in die Lage blinder und sehbehinderter Menschen und verstehen deren Wünsche zum Umgang miteinander. Dieser Baustein kann zusammen mit den beiden anderen Bausteinen der „Woche des Sehens“ aufeinander aufbauend verwendet werden. Er stellt das Bindeglied zwischen Fragen zur Augengesundheit und der Beschäftigung mit den Zusammenhängen von Armut und Blindheit weltweit dar. Da der Baustein in sich abgeschlossen ist, kann er auch als einzelne Einheit verwendet werden.

Die Aufgaben werden in Einzel- oder Partner- bzw. Gruppenarbeit bearbeitet. Lösungen und Antworten können die Schülerinnen und Schüler per E-Mail senden. Wählen Sie je nach Bedarf die Aufgaben für Ihren Präsenz- und Distanzunterricht aus. Auch die Zusatzaufgaben ermöglichen Ihnen eine flexible Unterrichtsgestaltung, z. B. für eine Doppelstunde oder für die Gestaltung von Projekttagen.

Diese Icons weisen auf Einzel- bzw. Gemeinschaftsarbeit, auf Hinweise, Tipps und Filme hin:

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Lehrplananbindung

Der Baustein „Leben mit Seheinschränkung“ ist anschlussfähig an die Lehr- und Bildungspläne der deutschen Bundesländer. Er richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I aller Schulformen, insbesondere an Lernende der Klassenstufen 7 und 8. Der Baustein ist für den Einsatz in den Fächern Ethik, Philosophie und Religion besonders geeignet, da die Perspektivübernahme und soziales Lernen sowie Fragen des Umgangs von Menschen miteinander im Mittelpunkt der Unterrichtsstunde stehen.

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Kompetenzen und Lernziele

Die Unterrichtseinheit fördert besonders die Sozialkompetenz der Schülerinnen und Schüler. Ausgehend von der Beobachtung, Erfahrung und Reflexion eines Onlinespiels verstehen die Lernenden, dass eine Orientierung selbst im bekannten Raum sehr schwerfällt, wenn der Sehsinn nicht genutzt werden kann. Sie können nachvollziehen, dass es unangenehm ist, wenn bestimmte Umgangsformen nicht eingehalten werden. Sie machen eine persönliche Erfahrung, die zur Weiterarbeit genutzt wird und schließlich zu der Formulierung von Regeln und deren Ergänzung durch eigene, weitere Überlegungen führt.

Die Schülerinnen und Schüler

  • können sich in eine Alltagssituation sehbehinderter oder blinder Personen hineinversetzen,
  • können Schwierigkeiten im Alltagsleben und im persönlichen Kontakt zwischen Sehenden und blinden/sehbehinderten Personen benennen,
  • können Regeln zu einem guten Umgang miteinander entwickeln,
  • können problematisierende Fragen aufgrund der gemachten Erfahrungen und Informationen formulieren und in einem Expertengespräch mit einer sehbehinderten oder blinden Person stellen,
  • Hilfsmittel und Materialien zum Lesen und Schreiben für sehbehinderte und blinde Personen beschreiben.

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Methodisch-didaktische Überlegungen

In dieser Unterrichtseinheit steht das Erfahren im Mittelpunkt. Daher wird dem Einstieg über das Onlinespiel „Blind zum Bus“ ein großer Zeitrahmen eingeräumt. Eine rein abstrakte Beschreibung der Gefühle sehbehinderter oder blinder Menschen, die unfreiwillig und ohne eine Ansprache durch einen Raum/über eine Straße etc. gezerrt oder geschoben werden, würde einen Großteil der Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I kaum sensibilisieren. Deshalb bietet das Onlinespiel „Blind zum Bus“ in Aufgabe 1 die Möglichkeit, räumliche Orientierung ohne den Sehsinn zu erfahren. Dies ist für die Perspektivübernahme wertvoll. Die Reflexion sollte in kurzen Stichworten gemeinsam festgehalten werden, um den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu geben, Erfahrungen zu ergänzen und sich diese für den weiteren Verlauf der Stunde noch einmal bewusst zu machen.

Die Filmausschnitte und Zitate unter „Das nervt! Wünsche sehbehinderter und blinder Menschen“ machen an konkreten Beispielen Probleme sehbehinderter und blinder Menschen in ihrem Alltag bewusst und verdeutlichen, wie stark sich die Welten sehbehinderter und sehender Menschen unterscheiden. Viele Lernende hatten wahrscheinlich bisher noch keinen persönlichen Kontakt zu sehbehinderten oder blinden Menschen oder sie sind sich dessen nicht bewusst. Möglicherweise haben sie auch schon eine der vielen Sehbehinderungen, die im fortgeschrittenen Lebensalter auftreten, bei ihren Großeltern gesehen, ohne jedoch deren „Seh-Perspektive“ wahrzunehmen.

Die Formulierung von Regeln in Aufgabe 2 macht den Lernenden bewusst, dass der Kontakt und Umgang mit sehbehinderten und blinden Menschen unproblematisch sein kann. Damit lassen sich mögliche Barrieren abbauen, wie auch das Beispiel im Kasten „Keine Panik“ zeigt. Denn werden sich Sehende der Alltagsbarrieren von blinden und sehbehinderten Menschen bewusst, vereinfacht das die Unterstützung und den normalen Kontakt, wie sich ihn viele wünschen.

Sollten Sie eine blinde oder sehbehinderte Person in die Klasse einladen, wie in Zusatzaufgabe 2a beschrieben, können die Ideen für Unterstützungsmaßnahmen mit ihr gemeinsam erarbeitet werden. Das sorgt dafür, dass die Maßnahmen realitätsnah sind.

Eine solche Begegnung ist sehr empfehlenswert: Außer der persönlichen Erfahrung für Schülerinnen und Schüler dient dies nicht zuletzt der Vertiefung des Gelernten. Das Gespräch ließe sich beispielsweise im Rahmen einer Doppelstunde oder von Projekttagen realisieren. Bei Bedarf kann es auch als Videokonferenz abgehalten werden. Dann ist es wichtig, vorab zu prüfen, ob die dafür vorgesehene Konferenzplattform geeignet ist. Für den Barrierencheck hilft die Checkliste. Kontaktinformationen finden Sie am Ende dieser Lehrerinformation.

Über die Gestaltung eines Flyers in Aufgabe 2b reflektieren die Lernenden noch einmal den Umgang mit blinden oder sehbehinderten Personen.

Die Informationen unter „Wie blinde und sehbehinderte Menschen lesen“ verdeutlichen, dass sehbehinderte und blinde Menschen zwar mit Hilfsmitteln Alltagsbarrieren überwinden können, dies aber keiner vollständigen Barrierefreiheit gleichkommt. Die Jugendlichen werden hier sensibilisiert, dass vermeintlich Selbstverständliches, wie etwa Schreiben oder Lesen im Internet, durchaus schwieriger sein kann als vermutet. Der Braille-Simulator gibt einen Einblick in die Blindenschrift.

Zur Vertiefung des Verständnisses von Sehbehinderungen haben Sie die Möglichkeit, weitere Filmbeiträge in Ihren Unterricht oder eine weitere Unterrichtsstunde zu integrieren. Mit Baustein I „Augenmedizin“ können Sie beispielsweise ergänzend die Einschränkungen des Sehfeldes durch unterschiedliche Augenkrankheiten thematisieren. Dort finden Sie auch Verlinkungen zu weiteren Filmbeiträgen.

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Lösungen und Ergebnisse

Musterlösungen und Ergebnisse der Aufgaben sind in diesem Baustein nicht vorgesehen, da das Erleben und Fühlen im Mittelpunkt stehen. Die Aufgaben dienen weniger der Überprüfung eines Wissensstandes als vielmehr der Anregung zur weiteren Auseinandersetzung mit dem Thema. Zu Aufgabe 2 finden Sie hier mögliche Vorschläge.

Aufgabe 2

Mögliche weitere Tipps:

  • Bei einer Treppe oder einem Gehsteig das Hinauf- oder Hinuntersteigen ankündigen
  • Auf ein Treppengeländer hinweisen
  • In öffentlichen Verkehrsmitteln auf Haltegriffe an einer Tür hinweisen
  • Begrüßungsgesten durch nette Worte ersetzen
  • Eine blinde Person direkt ansprechen statt über eine Begleitperson
  • Die Position eines Gegenstands aus der Perspektive der blinden Person beschreiben, z. B. „rechts neben Ihnen“.

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Ablauf und Zeitplan

Mit diesem Baustein kann eine Schulstunde von 45 Minuten gestaltet werden. Einen Vorschlag dafür finden Sie hier. Je nach Zeitrahmen, Lernstand und Situationen zu Präsenz- und Distanzunterricht lassen sich die Aufgaben variieren, mit den Zusatzaufgaben ergänzen und individuelle Schwerpunkte setzen.

Wird die Begegnung mit einer sehbehinderten oder blinden Person eingeplant, sollte eine Doppelstunde oder ausreichend Zeit im Rahmen eines Projekttages zur Verfügung stehen.

Für das Onlinespiel als Einstieg werden etwa 15–20 Minuten veranschlagt. Die Reflexion am Ende muss unbedingt erfolgen, damit die weiteren Aufgaben und Materialien sinnvoll anknüpfen.

In der Erarbeitungsphase lernen die Schülerinnen und Schüler reale Alltagssituationen und Wünsche blinder und sehbehinderter Menschen kennen.

Kurze Statements und Videos lassen die Lernenden schnell in ein Gespräch einsteigen. Steht ausreichend Zeit zur Verfügung, lesen die Schülerinnen und Schüler den kurzen Hinweistext „Keine Panik!“ zur Vertiefung.

Die Ergebnissicherung kann ein- oder zweistufig erfolgen:

  • mit den Regeln zu einem erfolgreichen Umgang miteinander und der Unterstützung einer blinden oder sehbehinderten Personen;
  • zusätzlich besteht die Möglichkeit, Lesen und Schreiben blinder und sehbehinderter Menschen als einen Aspekt des Lebensalltags kennenzulernen.

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