Knifflig: Sehtests bei Kindern

Die dreijährige Leah aus Uganda macht einen Test, der ihren Namen trägt

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Sehtests bei kleinen Kindern sind eine echte Herausforderung. Aber sie sind sehr wichtig. Denn das Sehen beeinflusst die ganze Entwicklung eines kleinen Menschen. Deshalb gibt es in den Projekten der Christoffel-Blindenmission (CBM) viele Fachleute, die sich dieses Problems annehmen. Sehtests für Erwachsene bestehen nämlich meist aus Buchstaben – und die kennen Kinder noch nicht.

Auch andere Tests wie die Landolt-Ringe, bei denen angegeben werden muss, an welcher Stelle sich die Ringe öffnen, sind für Kleinkinder zu schwer. Denn sie können sich oft noch nicht gut ausdrücken und ihr räumliches Verständnis ist noch nicht vollständig entwickelt. Bei Kindern braucht es Geduld – und ein paar Tricks helfen auch.

Klarheit für Leah und Felix

Wie gut kann die kleine Leah aus Uganda nach ihrer Augen-OP sehen? Und wie schwer ist die Sehbehinderung von Felix, drei Jahre, aus Ruanda? Ein Sehtest soll Erkenntnisse bringen.

Mit einem stolzen Lächeln betritt Leah das Behandlungszimmer in der CBM-geförderten Mengo-Augenklinik. Selbstständig – ohne die Hand ihrer Mama! Vor der Operation war das undenkbar. Die Kleine hatte Grauen Star und war nahezu blind. Erst wenige Tage sind vergangen. Damit ist schon vor dem Test klar, dass ihre Sicht viel besser ist als vor der Operation.

Der Lea-Test soll nun zeigen, wie gut das Mädchen sieht. Er ist ein kindgerechter Sehtest mit vier Symbolen: Haus, Kreis, Apfel und Viereck. Entwickelt wurde der Test 1980 von der Finnin Lea Hyvärinen, einer Spezialistin für Kindersehtests. Die kleine Leah kichert. Der Test heißt genau wie sie! Und er klappt: Als Therapeut Joseph Sebwana fragt, wo der Apfel ist, tippt sie lachend auf das richtige Symbol auf der Tafel in ihrer Hand. Bei der Dreijährigen ist es erstmal wichtig, dass sie auf die Nähe gut sehen kann. Kindern, die bald zur Schule gehen, werden die Symbole auch aus der Distanz gezeigt und in verschiedenen Größen. Dann verrät der Test auch, wie scharf ein Kind sieht, ob es eine Brille braucht und falls ja, welche.

Bei Felix in Ruanda läuft der Lea-Test nicht so gut. Von dem Therapeuten der CBM nach dem Kreis gefragt, tippt der Dreijährige auf das Haus. Er sieht offenbar sehr schlecht! Oder ist er nur zu zappelig? Kinderaugen-Spezialist Isaie Munyandamutsa greift in seine Trickkiste und wirft einen Kugelschreiber auf den Boden. „Wo ist er nur?“, ruft er. Begeistert springt Felix auf. Den dunklen Stift findet er sofort auf den weißen Fliesen. Aber als Munyandamutsa ihm die Handflächen hinhält und ihn fragt, ob er auch das Bonbon findet, muss der Kleine lange tasten, bis er die Süßigkeit entdeckt. Der Graue Star nimmt dem Jungen weitgehend die Sicht, nur noch hell und dunkel kann er klar unterscheiden. Er wird bald operiert werden und den Lea-Test dann wahrscheinlich genauso gut meistern  wie Leah aus Uganda.

Babys sind die schwierigste Herausforderung

Noch schwieriger ist ein Sehtest bei Babys. Ärztinnen und Ärzte schauen mit einer Taschenlampe oder einer anderen Lichtquelle, ob das Neugeborene darauf reagiert oder die Augen einem bunten Gegenstand folgen. Babys um den achten Monat sollen gezielt nach Dingen greifen. All das sind Indizien, dass die Augen des Kindes gesund sind. Wenn sich Probleme zeigen, schätzt das Augenpersonal bei Babys die Sehschärfe ein, indem sie dem Jungen oder dem Mädchen zwei Tafeln zeigen. Auf einer Tafel befindet sich ein schwarzer Streifen, die andere ist weiß. Babys schauen meist zu der Tafel mit dem Streifen, wenn sie diese erkennen können. Mit immer dünner werdenden Streifen können die Spezialistinnen und Spezialisten dann die Sehschärfe einschätzen. Eine verlässliche Bestimmung der Sehfähigkeit mit standardisierten Tests ist erst ab dem dritten Lebensjahr möglich. Und die vollständige Sehschärfe von 1,0 erreichen Kinder erst zwischen sieben und neun Jahren.

Redaktionshinweis:

Mehr Informationen über die Augenarbeit in Entwicklungsländern der CBM und des Deutschen Komitees zur Verhütung von Blindheit finden Sie in unserem Thementext "Wo eine Brille die Welt bedeutet".


Pressekontakt:

Marion Muhalia
E-Mail: marion.muhalia@cbm.org
Tel.: 06251 / 131-341

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